NewsGERCHGROUP – Startup mit Projekten über 2 Mrd. €
08
2016

GERCHGROUP – Startup mit Projekten über 2 Mrd. €

Interview im Deal Magazin 07/2016 mit Mathias Düsterdick, Geschäftsführer (CEO) GERCHGROUP

Herr Düsterdick, die GERCHGROUP ist, wenn man so will, ein Startup-Unternehmen und nicht mal ein Jahr alt. Dennoch haben Sie schon jetzt ein Projektvolumen von über 2,1 Mrd. Euro eingekauft. Hat Sie der Erfolg selbst etwas überrascht? Wie erklären Sie sich dieses rasante Wachstum?
Mathias Düsterdick: Der schnelle Erfolg hat uns in der Tat vollkommen überrascht. Damit hätten wir nie gerechnet, auch wenn wir dieses Startup sehr gut vorbereitet haben. Schon vor dem Ausscheiden bei der PDI haben wir mit unseren österreichischen Partnern, der 6B47, sehr genau verhandelt, welche Projekte aus der Pipeline wir in die GERCHGROUP mitnehmen dürfen. Insofern war es schon klein wenig ein kalkulierter Erfolg mit Starthilfe. Obwohl unser Geschäftsvolumen darüber hinaus so dynamisch und schnell anwuchs, haben wir das sicher nicht erwartet, zumal die GERCHGROUP erst vor acht Monaten gegründet wurde. In diesem Zeitraum haben wir immerhin neun Projektentwicklungen angekauft. Dass uns das in dieser Form gelingen
würde, war wirklich nicht abseh- und erst recht nicht planbar. Es ist auch ungeheuer schwer, die Gründe dafür zu benennen. Wir waren vielleicht etwas schneller und flexibler als die Mitbewerber. Es gibt ja nicht so viele bundesweit tätige, inhabergeführte Projektentwickler, wie wir es sind. In der Regel agieren eher Konzerntöchter auf diese Art überregional. Allerdings haben diese, natürlich längere Entscheidungswege und brauchen meist zeitintensive Gremienbeschlüsse, um Projekte ankaufen zu können. Da sind die Wege in unserer Struktur deutlich kürzer. Deshalb haben wir bei diesem überregionalen Geschäft – und das ist ja genau das was wir betreiben – gewiss den einen oder anderen Wettbewerbsvorteil gegenüber den ganz Großen, die nicht so schnell handeln können, und ebenso gegenüber den Regionalen, die bisweilen nicht so bonitätsstark sind.

Bitte erläutern Sie kurz Ihr Geschäftsmodell und die Assetklassen, mit denen Sie sich befassen.
Mathias Düsterdick: Wir befassen uns mit zwei Schwerpunktthemen, die wir mit den neun Projekten auch konkret abdecken. Das eine ist, die Landentwicklung zu betreiben, also große Areale zu kaufen, für die es zunächst gilt, einen neuen Bebauungsplan zu erstellen und Baurecht zu schaffen. Das ist sicherlich nicht die übliche Vorgehensweise, und viele scheuen sich davor. Aber wir sind der Überzeugung, dass das höchste Gut heutzutage eben Grundstücke sind. Wenn diese auch erst in zwei bis drei Jahren zur Baureife gelangen, so macht es uns doch viel Spaß, Areale mit der Aussicht anzukaufen, dass dort in drei Jahren eine große Entwicklung entstehen kann. Das Zweite sind klassische Hochbauprojektentwicklungen, wie wir sie z. B. in Mannheim und Frankfurt erworben haben. Hier kommen meist unterschiedliche Kombinationen der Nutzungsarten Büro, Wohnen und Hotel zum Tragen. Wir haben bereits in der Vergangheit viele Hotels realisiert und werden an beiden Standorten auch wieder Hotelprojekte entwickeln. In Frankfurt ergänzen wir das Konzept mit Wohnen, in Mannheim bauen wir Büroflächen dazu. Das sind unsere Spezialdisziplinen, mit denen ich mich in den vergangenen 20 Jahren befasst habe und welche wir verstehen und beherrschen.

Worin unterscheidet sich das Konzept von Ihrer Vorgängerfirma PDI, und welche Motive haben Sie und Ihren Partner Christoph Hüttemann bewogen, unter dem Leitbild „The excellence of property development investments“ noch mal ganz neu zu starten?
Mathias Düsterdick: Der Neustart ist vor allem dem Umstand geschuldet gewesen, dass wir uns von Anfang an mit den österreichischen Mitgesellschaftern einig waren, dass 6B47 irgendwann unsere Anteile übernehmen wird, um ihre Wachstumsstrategie mit der PDI in Deutschland umzusetzen. Damit war immer klar: Zu einem bestimmten Zeitpunkt scheiden Christoph Hüttemann und ich wieder aus dem Unternehmen aus. Dass dieser Zeitpunkt im vergangenen Jahr erreicht wurde, hing vor allem damit zusammen, dass es das bisher beste Jahr der achtjährigen Firmengeschichte der PDI war. Das schien uns der perfekte Moment zu sein. Für dieses Timing sprach auf der einen Seite, dass wir ein top funktionierendes Unternehmen übergeben konnten und andererseits noch nicht zu alt waren, um etwas Neues zu starten. Wir hatten vier sehr erfolgreiche Jahre gemeinsam mit den Österreichern. Auch wenn wir bisweilen verschiedener Meinung waren, haben wir uns doch bestens verstanden. Was wir jetzt anders machen, ist nicht ganz einfach zu sagen. Eines war klar: Auf keinen Fall wollten wir mit der GERCHGROUP eine Kopie des Vorgängerunternehmens PDI erschaffen, vielmehr wollten wir uns noch einmal, soweit das überhaupt geht, neu erfinden. So ist das neue Unternehmen auch in vielem anders geworden, obwohl wir uns mit gleichen oder ähnlichen Themen wie zuvor beschäftigen. Wir versuchen, immer noch etwas schneller zu sein, und beschäftigen uns intensiv mit zukünftigen Entwicklungen in der Branche und unserer Gesellschaft. Sicherlich sind wir heute noch mehr Management-Kernmannschaft, als das wir das früher mit der PDI waren. Das heißt, das riesige Volumen, das wir aktuell bewegen, managen wir mit gerade mal 22 Mitarbeitern. Dafür wäre bei der Struktur der PDI deutlich mehr Manpower nötig gewesen. Heute arbeiten wir mit wesentlich mehr externen Partnern, die für uns vor Ort die Projekte als Spezialisten handeln und managen. Mit dem Leitbild wollen wir unseren Anspruch unterstreichen, zu den ganz großen Developern in Deutschland zu gehören und hier tatsächlich zu den Professionellsten und Besten der Branche zu zählen. Momentan sind wir vom Volumen her sicherlich schon in den Top Ten der deutschen Entwickler. Es ist jedoch unser Ziel, in absehbarer Zeit unter den ersten drei in Deutschland zu sein.

Bitte beschreiben Sie kurz Ihre wichtigsten Projekte, deren Objektdaten und spezifische Charakteristika. Welche Nutzungskonzepte sollen hier verfolgt werden?
Mathias Düsterdick: Unsere erworbenen Projekte sind vollkommen unterschiedlich, und jedes für sich ist eine Herausforderung für unser Team. Es hat uns riesig gefreut, dass wir in Frankfurt mit der Mainzer Landstraße 23 die ehemalige Zentrale der HypoVereinsbank mitten im Bankenviertel erwerben konnten. Wir werden dort ein Projektvolumen von etwa 210 Mio. Euro realisieren und stehen schon jetzt kurz vor Abschluss eines Pachtvertrages für ein Vier-Sterne-Hotel. Auf dem hinteren Teil des Grundstücks, dem Bankenviertel abgewandt, werden wir zusätzlich etwa rund 10.000 m2 Wohnraum errichten. Eines der ganz großen Areale, welches wir in den nächsten Jahren sukzessive entwickeln werden, ist das Gelände des ehemaligen IBM-Campus in Stuttgart. Ich habe früher selbst sechs Jahre in Stuttgart gelebt, und da ist für mich viel Herzblut dabei, eben ein Stück alte Heimat neu zu gestalten. Wir streben dort ein angepasstes B-Planverfahren an und konnten binnen kürzester Zeit schon einen Aufstellungsbeschluss von der Landeshauptstadt Stuttgart erlangen. Hier wird ein lebendiger moderner Stadtteil entwickelt. In der Spitze werden hier knapp 200.000 m2 Fläche entstehen können, in ca. 16 bis 17 verschiedenen Baufeldern. Wir sind glücklich, so etwas Großes machen zu dürfen, und sind uns der enormen Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit und den Bürgern der Stadt durchaus bewusst. Eine ähnliche Projektentwicklung haben wir nun in Hamburg mit den Holsten Quartieren angekauft. Auch hier wird ein ganz neuer Stadtteil entstehen. Dieses Projekt ist wirklich ein richtiges Highlight. Ausgesprochen stolz sind wir, in München in einem doch sehr hochpreisigen und schwierigen Akquisitionsumfeld den Zuschlag für ein altes Kloster in der Schleißheimer Straße erhalten zu haben. Dies nicht zuletzt, weil wir genau wissen, welche Mitbewerber sich um dieses Projekt lange bemüht haben. Auch hier wird es einige Zeit dauern, bis wir Baurecht geschaffen haben. Aber daran arbeiten wir gerne, weil eine derartige Lage mitten in Schwabing einzigartig und kaum noch zu bekommen ist.

Wollen Sie in Stuttgart wirklich alle Baufelder selbst entwickeln?
Mathias Düsterdick: Das ist ein Thema, was durchaus noch offen ist. Natürlich haben wir den Ehrgeiz, zumindest einen großen Teil selber zu entwickeln. Doch wir sind auch in der Zukunft nicht so vermessen, alles selber machen zu müssen. Es gibt sicherlich für das eine oder andere Thema einen Spezialisten vor Ort, der das vielleicht besser realisieren kann. Insofern können wir uns durchaus vorstellen, zu gegebener Zeit einen Grundstücksteil bei Bedarf weiterzuveräußern. Speziell dann, wenn wir durch die Baurechtschaffung so viel Wertschöpfung mitnehmen konnten, dass wir für die Realisierung anderen Partnern die Chance geben können. Natürlich kann man sich da heute noch nicht festlegen und muss erst einmal abwarten, bis das Baurecht vorliegt. Das kann hier realistisch bis zu drei Jahren dauern, und bis dahin ändert sich unter Umständen auch die Marktsituation. In jedem Fall ist es aber eine Option, die wir nicht ausschließen würden.

Für Ihr Projekt in Passau, die Peschl Quartiere, haben Sie vor kurzem die Finanzierung des Grundstücksankaufs über die örtliche Sparkasse sichergestellt. Worin liegen Ihrer Meinung
nach die Vorteile einer klassischen Bankfinanzierung gegenüber alternativen Finanzierungsformen? Denken Sie darüber hinaus auch über andere Alternativen für interessierte Investoren nach, in Ihre Projekte einzusteigen? Für welche Projekte sind diese relevant?
Mathias Düsterdick: Das muss man sicherlich etwas weiter erläutern. Wir haben im Grunde viele unterschiedliche Finanzierungsquellen. Zum einen haben wir schon kurz nach der Gründung der GERCHGROUP in der Schweiz eine Anleihe in Schweizer Franken emittiert, aus der wir monatlich neue Finanzmittel rekrutieren. Da dieses Modell sehr erfolgreich läuft, überlegen wir derzeit, eine zweite Tranche aufzulegen bzw. das Anleihevolumen noch aufzustocken. Das ist ein sehr spannendes Modell, über das sich auch kleinere Anleger aus der Schweiz am Unternehmen beteiligen können. Ferner gibt es natürlich unsere typischen Partner auf der Eigenkapitalseite, mit denen wir schon seit vielen Jahren eng zusammenarbeiten. Das sind sowohl Fonds sowie auch Versicherungen, Pensionskassen und auch Family Offices, die uns ihre Gelder bereitstellen. Natürlich leveragen wir dieses Kapital durch klassische Fremdfinanzierungen. Im Fall Passau haben wir dafür eine klassische Bankfinanzierung gewählt, weil in der heutigen Zinslandschaft das Kapital von Banken erstrangig gesichert und deutlich günstiger ist als das Eigenkapital, das wir aus den eben beschriebenen Quellen einsammeln.

Dass in den Ballungsräumen dringend mehr Wohnraum geschaffen werden muss, findet eine breite gesellschaftliche Akzeptanz. Macht dies das sensible Thema Bürgerbeteiligung eher leichter oder komplizierter? Welche Erfahrungen machen Sie bei Ihrem Projekt in Stuttgart?
Mathias Düsterdick: Unterm Strich macht die Wohnungsknappheit das Thema Bürgerbeteiligung schon etwas einfacher. Allerdings habe ich bereits in der Vergangenheit eine Bürgerbeteiligung nie als Stolperstein angesehen, sondern immer die Chance darin erkannt, auch mehr und unter Umständen sogar eine höhere Qualität für das Projekt zu schaffen. Voraussetzung dafür ist eine kooperative und qualifizierte Bürgerbeteiligung, die dem Projektentwickler wichtigen Rückhalt und zudem viele neue Ideen geben kann. Das versuchen wir in Stuttgart ganz eindeutig im Rahmen des Ideenwettbewerbs zu erreichen, weil die Leute, die vor Ort leben, wohnen und arbeiten, doch ihre eigenen Vorstellungen haben. Und die müssen nicht unbedingt schlecht sein. Natürlich gibt es auch hier und da unqualifizierte Proteste, aber eine gut durchgeführte Bürgerbeteiligung sehen wir als absolute Bereicherung für die Entwicklung an.

In größeren Quartieren streben Sie u. a. eine Art Mehrgenerationen-Wohnen an. Wie lässt sich ein solcher Mix erfolgreich umsetzen, und welche Trends bestimmen nach Ihrer Auffassung in den nächsten Jahren den Wohnungsbau in Deutschland?
Mathias Düsterdick: Generell sind Monostrukturen nicht mehr gefragt. Natürlich achten wir gerade bei Projekten wie in Stuttgart und Hamburg sehr darauf, möglichst lebendige Quartiere und Stadtteile mit einem ausgeprägten Nutzungsmix entstehen zu lassen. Das betrifft natürlich sowohl die gewerbliche als auch die wohnwirtschaftliche Nutzung und bedeutet, dass in ein gutes Wohngebiet heute ebenso selbstverständlich eine Kita wie auch ein Nahversorger gehören. Innerhalb des Wohnens ist es uns zudem wichtig, Monostrukturen zu vermeiden und Mehrgenerationen-Wohnen zu integrieren. Dafür muss man nicht nur einen Wohnungsmix durch unterschiedliche Wohnungsgrößen und -grundrisse realisieren, sondern auch das Thema Barrierefreiheit und andere zielgruppenspezifische Anforderungen und Merkmale berücksichtigen, damit sowohl Familien als auch Studenten, Rentner und typische DINKs (double income, no kids) sich in einem Gebäude zuhause fühlen. Wir haben in den vergangenen Jahren festgestellt, dass dieses Mehrgenerationen-Wohnen soziale und gesellschaftliche Zufriedenheit in die Wohnungsgemeinschaft hineinträgt. Und das ist doch genau das, was unsere späteren Endinvestoren, die das Gebäude von uns erwerben, auch wollen: einen Bestand, der in sich gut funktioniert und möglichst wenig Probleme unter Mieterschaft und Anwohnern verursacht. Einen klaren Trend erkennen wir darin, dass die Wohnfläche pro Kopf an verschiedenen Standorten wieder zurückgeht, da durch die Preissteigerungen der zurückliegenden Jahre größere Wohnungen in den Ballungszentren kaum noch bezahlbar sind. Das heißt, die meisten Wohnungen in der City werden in Zukunft kleiner und kompakter gebaut werden. Als weiteren Trend glaube ich feststellen zu können, dass wir vertikaler planen, höher bauen sowie stärker verdichten müssen, wenn es uns gelingen soll, in naher Zukunft die gesellschaftliche und soziale Aufgabe, den erforderlichen Wohnraum zu schaffen, tatsächlich auch zu meistern. Da spüren wir derzeit ein radikales Umdenken bei den Städten, Gemeinden und Kommunen. Denn dort wo früher um jeden Quadratmeter BGF, den man mehr bauen wollte, gefeilscht werden musste, ist es heute fast schon so, dass die Verwaltungen uns geradezu bitten, mehr und höher zu bauen, weil so viele Wohnungen fehlen. Ich glaube, dass dieser Trend erst am Anfang steht und sich noch stärker ausbilden wird. Auch das Image von Wohnhochhäusern hat sich deutlich gewandelt, allerdings kommt es entscheidend auf die richtige Lage und Umgebung an. Derartige Wohnformen funktionieren nur ausgesprochen stadtnah und auf keinen Fall mehr an der Peripherie, denn ich brauche für ein Wohnhochhaus eine bestimmte Miete bzw. einen bestimmten Preis, um den höheren Aufwand wirtschaftlich darstellen zu können. Diesen höheren Preis bekomme ich eben nur mitten in der Stadt realisiert und nicht in Randlage. Unter keinen Umständen darf die Wohnungsknappheit dazu führen, dass die Fehler und Bausünden der fünfziger und sechziger Jahre sich wiederholen.

Im Bürobau sind schnelle Datenleitungen, intelligente Heizungs- und Kühlungssysteme mittlerweile Standard. Werden sich diese Merkmale auch eines Tages im Wohnungsbau durchsetzen? Gibt es generell einen Einfluss aus dieser Richtung?
Mathias Düsterdick: Wenn wir selber Wohnungen errichten, dann sind das ausschließlich spätere Mietwohnungen. Dafür sind diese Themen zurzeit noch zu teuer und lassen sich deshalb noch nicht umsetzen. Ich denke, dass der Trend dahingeht,  Dinge wie Klima, Luft oder Licht zuhause noch komfortabler und auch ökonomischer zu steuern und zu regeln. Das sieht man teilweise ja schon im Eigentumsmarkt. Um das in Zukunft aber dann in einem klassischen Mietwohnungsmodell auch tatsächlich einzusetzen, muss die Industrie noch in Vorleistung gehen und die Preise senken. Als wir im Jahr 2005 das erste Grundstück für Mietwohnungsbau gekauft haben, hat in Deutschland kaum jemand für den Mietmarkt gebaut. Unsere ersten Gebäude waren deshalb so erfolgreich, weil wir uns viel aus dem Bürobereich abgeschaut haben und uns an dessen Standards orientierten. Nehmen wir als Beispiel nur die bodentiefen Fenster, die waren damals im Mietwohnungsbau absolut unüblich. Auch die Kühlungs- und Lüftungstechnik wurde ursprünglich für Büros entwickelt und trägt nun dazu bei, dass die Leute heute anders wohnen. Ein gutes Beispiel ist zudem der Schallschutz. In Frankfurt etwa haben wir mit Schallschutzklasse 6 gebaut, das hätte früher niemand für eine Wohnung angewendet. Heute wollen die Leute in der Stadt wohnen, und daher brauchen wir Konzepte, wie wir den Lärm der Stadt aus den Wohnungen fernhalten.

Welche Bedeutung haben Innovationen im Officebereich?
Mathias Düsterdick: Bodentiefe Fenster und moderne Kühlung in den Büros sind für uns heute absolute Voraussetzungen für ein echtes Class-A-Gebäude. Das ist unser Mindestanspruch, und wenn wir das bei einem zu revitalisierenden Gebäude nicht umsetzen können, bleiben nur noch Abriss und Neubau. Stehen derartige Objekte womöglich noch unter Denkmalschutz, packen wir sie erst gar nicht an. Beim Thema Innovationen muss man versuchen, für jedes Gebäude eine Einzigartigkeit zu entwickeln, die sich von den übrigen Wettbewerbsobjekten in diesem Segment
abhebt. Das muss man individuell sehen und abhängig von der Mikrolage, der Stadt und dem Markt. Wenn man sich Märkte wie Frankfurt anschaut, die überflutet sind von innovativen und neuen Gebäuden, so sind das immer ganz schwierige Märkte, weil jeder Mieter in der Regel nach fünf Jahren wieder noch etwas Neueres und Schöneres haben möchte. Das führt dazu, dass ein Neubau in der Mainmetropole fast nur noch einen Fünfjahresvertrag im Bürobereich bekommt. Im Prinzip weiß jeder, dass nach fünf Jahren die Fläche erst mal wieder leer steht, weil der Mieter sich auf dem Markt neu orientiert hat. Das halten wir nicht für zielführend und versuchen vielmehr, nachhaltig attraktive und einzigartige Bürokonzepte in einer funktionierenden Umgebung und Infrastruktur zu entwickeln, damit der Endinvestor viele Jahre treue und zufriedene Mieter hat.

In der Branche ist das Thema Building Information Modelling – kurz BIM – allgegenwärtig. Der Begriff beschreibt das durchgängige Datenmanagement in der gesamten Wertschöpfungskette
der Immobilie. Wie bewerten Sie als Projektentwickler dieses Verfahren?
Mathias Düsterdick: Das ist etwas, was wir in der Projektentwicklung schon seit Jahren praktizieren. Wenn wir eine Immobilie oder ein Grundstück kaufen, haben wir im Ankaufsprozess bereits einen Datenraum angelegt, der sowohl die technische wie die kaufmännische als auch die juristische Due Diligence überhaupt erst möglich macht. Dieser Datenraum wird über die Laufzeit der Projektentwicklung ständig weiter fortgeschrieben, um dann in unserem späteren Wiederverkauf vollkommen nachvollziehbar alle Planunterlagen, Genehmigungen, Testate und Untersuchungsergebnisse bereitstellen zu können. Dabei werden die technischen Plattformen, auf die man zugreifen kann, immer professioneller und vernetzter, sodass auch die vielen externen Projektbeteiligten Zugang zu diesen Informationen erhalten können. Das ist sicherlich ein riesiger Fortschritt für unsere Entwicklungsarbeit.

Sehen Sie in den Wohnungsmärkten der Top-7-Städte die Gefahr einer Blase? Ist es eine probate Ausweichstrategie, sich auf B- und C-Standorte zu konzentrieren?
Mathias Düsterdick: Wir engagieren uns schon seit vielen Jahren in B- und C-Standorten, doch nicht, weil wir eine Blasenbildung in den A-Standorten befürchten, sondern weil dort einfach die Verfügbarkeit von Grundstücken und projektentwicklungsfähigen Gebäuden immer knapper wurde. Das hängt auch damit zusammen, dass die B- und C-Städte, die früher noch sehr günstig waren, erst in den letzten Jahren bei den Mieten nachgezogen haben, wodurch sich hier Entwicklungen für uns wirtschaftlich auch rechnen ließen. B- und C-Städte sind spannend im richtigen Umfeld. Daher gehen wir nur in Städte mit entsprechendem Zuwachs bei den Einwohnerzahlen, wo nicht zu befürchten ist, dass irgendwelche Arbeitsplätze wegfallen oder sich das komplette Umfeld wandeln wird. Aus dieser Perspektive können B- und C-Städte so attraktiv sein wie A-Städte. Solange in Deutschland nach wie vor Wohnungen fehlen – und das wird noch ewig der Fall sein – und solange die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen so gut sind, wird sich an der Wohnungsnachfrage nichts verändern. Insofern sehe ich auch keine umfassende Gefahr einer Blase. Doch natürlich kann die aktuelle Situation in einzelnen sehr stark nachgefragten Märkten und Lagen aufgrund des geringen Angebots zu teilweise ungesunden Preisentwicklungen führen.

In welchen Asset- und Risikoklassen beobachten Sie eine starke Nachfrage aus den Investmentmärkten? Glauben Sie, dass aufgrund der guten wirtschaftlichen Situation auch wieder spekulative Büroentwicklungen vertretbar sind?
Mathias Düsterdick: Diese Beobachtung mache ich in wirklich allen Märkten. Das ist natürlich eine Konsequenz der Niedrigzinsphase oder mittlerweile auch Nullzinsphase in Verbindung mit dem vielen Kapital am Markt. Momentan laufen alle Immobilienkategorien außerordentlich gut, das muss man gar nicht weiter ausdifferenzieren. Auch die von uns nicht bedienten Assetklassen, beispielsweise Retail, Logistik und Betreiberimmobilien wie Pflegeheime, Kliniken oder Betreutes Wohnen, die wir natürlich auch beobachten, boomen stark. Das hängt einfach damit zusammen, dass zu viel Kapital da ist. Diejenigen Investoren, die sich in den letzten Jahren nur in bestimmten Assets bewegt haben, sehen gar keine Möglichkeit mehr, als sich breiter zu orientieren, weil sie sonst letztendlich noch weniger Geld am Markt loswerden, als sie ohnehin schon unterbringen können. Glücklicherweise wird wieder spekulativ entwickelt, aus meiner Sicht noch viel zu wenig. Die Banken sind immer noch viel zu zurückhaltend. In den Top 7 werden neue Büroflächen dringendst benötigt. Durch den Boom bei den Wohnungen wurden in der Vergangenheit zu wenig Büros gebaut, was in manchen Standorten bereits zu einem Unterangebot an modernem Büroraum geführt hat. In Düsseldorf z. B. sind kaum Büroentwicklungen realisiert worden. Wenn ich heute im Bankenviertel 5.000 m2 suche, dann wird es sehr schwer, etwas Adäquates zu finden, weil es einfach nichts gibt. Natürlich ist die Kunst dabei, in den richtigen Teil des Marktzyklus zu gelangen. Jedenfalls sehe ich trotz einer steigenden spekulativen Bautätigkeit keinerlei Gefahr einer Blase. Davon sind wir weit entfernt – selbst wenn es wieder einen größeren konjunkturellen Abschwung geben würde, wonach es ja überhaupt nicht aussieht.

In Ihrer Freizeit sind Sie begeisterter Marathonläufer und Hobbykoch. Ist es Zufall, dass diese Beschäftigungen Parallelen zur Projektentwicklung aufweisen?
Mathias Düsterdick: Für diese Freizeitaktivitäten sind sicherlich Tugenden erforderlich, die in der Projektentwicklung auch vorteilhaft und hilfreich sind. Aber gerade das Kochen ist eigentlich fast genau das Gegenteil, denn beim Kochen habe ich in einer oder in drei Stunden, also in einem relativ kurzen Zeitraum, ein Ergebnis und weiß, ob es gut geworden ist. Bei der Projektentwicklung ist das jedoch ein Prozess, der über Jahre läuft. Ich glaube, das ist einer der Gründe, die mich sowohl am Kochen wie auch am Laufen reizen, nämlich die Ergebnisorientierung und die Gewissheit, dass sich der ganze Aufwand lohnt. Deshalb sind beide Beschäftigungen für mich der ideale Ausgleich zu den doch sehr langwierigen Projekten in meinem Job.

Darüber hinaus sind Sie ein großer Weinliebhaber und -kenner. Verraten Sie uns Ihre Lieblingsweine und Ihre letzte große Entdeckung? Was ist das Besondere an diesem Wein?
Mathias Düsterdick: Auf den Wein bin ich gekommen, weil meine Frau an der Nahe groß geworden ist und wir mit vielen Winzern aus diesem Anbaugebiet befreundet sind. Mein Lieblingsweingut ist das von Johann Josef Prüm von der Mosel, also ausnahmsweise nicht von der Nahe, der einfach wunderbare Kabinett-Rieslinge produziert. Das sind noch keine Süßweine, sondern schon trocken ausgebaute Weine, die aber trotzdem über etwas Restsüße verfügen. Das sind die Weine, die wunderbar zu scharfem Essen, etwa thailändisch oder Ähnliches, passen und die mich immer mehr faszinieren. Hinsichtlich Weiß- oder Rotwein habe ich ein sehr einfaches Prinzip und bin hier eher jahreszeitlich orientiert. Ich liebe im Winter Rotweine, ansonsten bin ich eher Weißweintrinker. Bei einem guten Essen gehört für mich in der Regel Weißwein zu den ersten Gängen und gegebenenfalls später zum Hauptgang oder Dessert dann vielleicht noch ein Rotwein dazu.

Das Interview führte Andreas P. Lienig.

Pressekontakt

Mathias Düsterdick

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